Max's Blog
Zeugnisrede
25.Juni 2010
Veröffentlicht am 28.06.2010
Der erste sprach: "Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?' Der zweite: "Wer hat von meinem Tellerchen gegessen ?" Der dritte: "Wer hat von meinem Brötchen genommen ?" Der vierte: "Wer hat von meinem Gemüschen gegessen ?" Der fünfte: "Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen ?" Der sechste: "Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten ?" Der siebente: "Wer hat aus meinem Becherlein Getrunken ?"

Sind das die Fragen, welche uns Lehrer stellten oder die wir uns für unsere Zukunft stellen, wie Rico ja richtig erwähnte, dass eben dies etwas sehr wichtiges ist. Nicht planlos in die Zukunft stürzen, ohne sich auf etwas zu stützen. Es mag eine Wissensfrage in der 3. Klasse gewesen sein, dort waren Märchen noch das Thema und man lernte fleißig auswendig und heute lächeln wir darüber uns halten die sieben Fragen für einen schlechten Scherz. Aber ausgerechnet jetzt sind sie die 7. Fragen, die meine Rede strukturieren. Und ihr bringt jene hervor, welche sie, zwar unwahrscheinlich, aber wer weiß, eines Tages analysieren werden. Eine formale Quellenanalyse oder gar eine ausführliche? Ob Politikwissenschaft oder Geschichte, was sind das nicht für Ansätze und zu fördernde Methoden der Texterarbeitung. Wissenschaftlich, unumstritten wissenschaftlich.
Manch einer ertappt sich dabei, wie er die Rede eines Politikers in der Zeitung liest und denkt: „Hm, ja, eindeutig Primärquelle, aber mit appellativem Charakter, subjektiv, klar und deskriptiv, sicher und selbstverständlich ein Traditionstext, der sich an interessierte Leser richtet.“
Das geschulte Auge. Und ganz sicher haben wir tausende solcher Methoden aus anderen Fächern für den richtigen Blick.

Das ist die erste Frage: Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?

Zerkratzt, bemalt, wackelnd und feucht. Ein Stuhl eben. Von hunderten, bald tausenden besessen und beschmutzt, war niemals unser und doch gab er uns Halt und die Sicherheit eines Platzes. Das Asyl eines Stuhls eben. Man mag die Herzenswärme oder warme Nähe eines anderen Menschen kennen und lieben, doch nichts ist so warm, wie ein frisch benutzter Stuhl.
Wir kippelten und knieten, waren die Stühle demoliert oder eben zu klein. Wer hier schmunzelt, der tut jedem Stuhl unrecht. Ich finde es gut, dass man Lehrer lobt und kritisiert. Doch wer sagt schon gutes über einen Stuhl? Nur, weil Stühle nicht weinen können, heißt das nicht, dass sie keine Gefühle haben. Wir alle werden diese Stühle sehr vermissen.

Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?

Meist waren es die Freunde, welche ihre Liebsten zum Mittagessen in die Cafeteria begleiteten, in der Hoffnung die Reste vertilgen zu dürfen, da es ihnen an Pausenbroten mangelte. Doch sicher waren dies nicht nur die Schüler. Wer sagt, dass dies nicht auch im Lehrerkollegium so gehandhabt wurde? Keiner muss sich dafür schämen, solang er sich frisches Besteck nahm.

Und wer hat von meinem Brötchen genommen?

Bleiben wir im Keller. In der Cafeteria. Wir alle lernten und lernen immer noch. Was ist da ein junges Hirn ohne Nährstoffe? Wenn Muttis Brote versagen und ausgehen, steht die Theke mit frisch belegten Brötchen wie eine Festung. Schnitzel, Bulette, Tomate-Mozzarella. Doch gehört das hierher? Nein, natürlich nicht und dafür entschuldige ich mich. Das gehört in die Vergangenheit. Für viele von uns gibt es bald eine neue Festung: Die Mensa.

Wer hat von meinem Gemüschen gegessen?

Ganz ehrlich? Ich fand hierfür keine Überleitung. Vielleicht ist es ein Symbol? Oder eine Metapher? Eine Metonymie? Das Mischgemüse. Erbsen und Möhren. Stereotypen, überall Stereotypen. Du kannst gut Mathematik, ich kann gut Deutsch. Klar gab es wenige Könner, wenige Talente. Ich werde auch nicht Rico nennen, um ihn verlegen zu machen. Rico.
Eltern, Lehrer, Freunde, Schüler: Wir teilten uns ein und auf und waren dennoch recht stabil, wie man Vorredner betonte. Nen schmuckes Grüppchen. Alle verschieden, aber zusammen. Wer mir nicht glaubt möge die Noten betrachten. Alle zwei Plätze ein Zeugnis mit Mathematik „gut“.

Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?

Es tut mir Leid, aber hierfür mangelt es mir an Kreativität.

Wer also hat mit meinem Messerchen geschnitten?

Unser Verstand ist scharf wie ein Messer. Jetzt, nach Abschluss der Schule mit Abitur. Und so lang es keinen Mikroschliff besitzt, müssen wir es stets schleifen und darauf achten, dass die Schneide nicht stumpf wird. Egal, was wir tun, egal, was wir weiter lernen oder lehren: Wir dürfen dies nicht umsonst getan haben. 13 Jahre sind später ein wenig mehr als eine Dekade in allen Jahren, aber für uns ist es jetzt mehr als die Hälfte unseres Lebens.
Um ein Bild zu schaffen orientieren wir uns doch an einem Lehrer? Er zeigt uns, was das heißt. Zu lernen und zu wissen und immer dabei zu bleiben. Wer im Sommer Sandalen trägt, mit nacktem Fuß, der muss diese auch im Winter tragen. Es mag oft kalt sein oder werden, doch dafür gibt es im Winter Socken. Und wenn der Frost uns droht, dann lasst euch von Schuhen ins warme tragen und wechselt. Die Sandale drückt zu Beginn und sorgt manchmal für geringen Schutz. Aber eines Tages erscheinen sie als das bequemste der Welt. Etwas das bleibt, wenn man es immer trägt und daran festhält.
Das Wissen ist das höchste Gut.

Wer aber hat aus meinem Becherlein getrunken?

Das meine Damen und Herren ist die schöne Zeit des Abiturs.
Und ein wesentlicher Bestandteil des morgigen Abends.

Vielen Dank.
Tags: Zukunft
Kategorisiert in Gedachtes
Das Leben is' ne Zigarette
20.Juli 2009
Veröffentlicht am 28.06.2010
Der Abend zu Haus.
Dunkel stickig, grau und dreckig. Reck ich mich vor, ganz lahm, der Schweiß, heiß, tropft warm, von Schulter Kopf und Arm auf den Boden und zischt.
Es erlischt. Das Licht und dann die Zigarette hinter der ich mich verstecke.
Qualm. Rauch steigt auf und ich schnauf bei jedem Schritt zur Zigarettenschachtel rauf.
Die Stufen sind unendlich und ich wend mich an mein Geländer. Wenn da, nicht mein Geländer wär, wer wär denn dann an meiner Treppen Ränder und hätt mich vor dem Sturz bewahrt? Noch kurz verharrt, die Kraft gespart und weiter zieh ich mich stoß ich mich nach oben, bald da, kann nicht weiter, doch ich muss. Ja ich muss, ich brauch den Rauch der Stängel. Ich tausche Teufel gegen Engel, mir egal gib schnell den Teer mir her. Ich brauchs verdammt!
Nun langsam koch ich, noch eben kroch ich, ja jetzt steh ich und ich seh nichts. Nein! Wo ist sie hin, was soll das? Sie lag doch gestern hier. Auf dem Schrank. Egal ich krauch am Fußboden entlang und ich such, ja ich such und such, und schrei und fluch und AHHH! Komm ins schlingern und hab den Nagel zwischen meinen Fingern. Ich blute und fluche weiter. Seit da dieser Nagel absteht, wie der Dorn einer Rose, zerstört' ich mir bald jede Hose. Sie rissen wie die Haut meiner Hand und fuck verbrannt an meiner Zigarette hinter der ich mich verstecke.
Das Krabbeln misslingt, ich zappel und spring. Man ich kämpfe um jeden Zentimeter nach vorn, doch die Krämpfe, stechen wir Dorn' und ich weine. Mir zittern die Beine. Nichts zum glimmen weit und breit. Verzweiflung.
Ich klopf galant mit meiner Hand an die Schrankwand. Gespannt, ob von ihr was fällt. Nichts fällt, nein nichts schnellt herunter oder mir vor den Fuß.
Insgesamt würd ich gerne Licht machen, doch ich seh schon mein Gesicht krachen, bei dem Versuch nach dem Schalter zu tasten, sinken meine Lasten und die Bretter noch tiefer, wo ich eben noch schief war fall ich krall ich mich in die Dielen.
Nun fast freischwebend, vom Schweiß klebend, häng' ich eng, ängstlich in der Zwischendecke. Wie eine Zecke. Wartend. Zitternd. Bibbernd und Knirrschschend an den Feind sich pirschend peil ich und seil ich mich ab. Herab zu Boden. Krach! Untermieter wach. Geschrei um 2uhr morgens.
Ich habe versagt. Ich unterliege einer Lüge brandgemarkt und bewege mich nicht. Nein ich rege mich schlicht und ergreifend nicht. Basta. Das wars dann.
Aller Dunst und Qualm setzt sich auf mich herab. Die Atemluft, die bangt und ruft, wird knapp. Ich röchle und möchte die Freude des Rauchens bis alles verbraucht ist noch einmal genüsslich, Zigarette, ach oh küss mich, spüren.
Sie hat mich verführt.
Ganz früh. Schon mit 13 einhalb, am Tabakladen, wollt ich diesen Tabak haben und hab mich verknallt. Und so machte mich der Zeitungsstore, zur Kippenwhore.
Ich schwelge. In Erinnerungen, dann in Erschöpfung, Minuten bis zur Köpfung.
Ich seh, seh nichts. Brauch Nikotin. Ich schließ die Augen und siech dahin. Wollt doch nur einmal noch dran ziehn.
Mein Körper fällt, in sich zusamm', ein Hund der bellt, die Kleidung schweißnass-klamm. Alles was mich trug, ist Lug jetzt, mein Ruf fetzt noch zwei drei Löcher in die Nacht. Der Schrei eines Halbtoten, Vollidioten. Hat aus seinem Leben nichts gemacht!
Tags: Slam
Kategorisiert in Poetry Slam
Wissen Sie was ich vermisse?
11.Mai 2009
Veröffentlicht am 28.06.2010
Wissen Sie was ich vermisse?
Schokobons?
Nein, Ihre Küsse.
Das heißt sie meinen, die Meinen?
Nein. Ich mein die ihren.
Nicht Sie sondern sie.
Wie? Sie mögen diffamieren? Ich versteh nicht ganz.
Ach ja doch. Jetzt habe ich es verstanden.
Schön, dass sie im Stande sind zu verstehen.
Das erleichtert’s Denken wie’s Gehen.
Ja und in guter Laune und im Scherze äußern sie wohl ihre seelische Schwärze. Wie?
Nimmer und Nie.
Ob da und hie. Ich bitte Sie.
Nie käme ich und ich komme oft, auf die Idee Sie zu verscheißern.
Das heißt dann, Sie mögen mich?
Nein das heißt es nun sicher nicht.
Ach sehen Sie.
Doch zurück zu jener, welche sie vermissen.
Was ist passiert? Was geschah? Dass Sie sind hier und sie ist da?
Ich weiß nicht genau. Es geht doch Mann wie Frau unterschiedlich.
Schwierig.
Schmierig diese Unterschiedsdiskussionen. Als ob wir in fremden Welten wohnen.
Ich bitt Sie noch ein Mal. Ein zweites nun schon.
Die Frau war nur des Schöpfers Lohn.
Zum Amusement sie meinen?
Höflich wär’s nun zu verneinen.
Doch worauf kommen wir gerade?
Nein abgekommen wie Jammerschade.
Auf, auf zurück.
Wer ist sie und Wie heißt sie?
Name SoundSo und weißt die einfachsten Dinge zu schätzen.
So liebt sie sicher auch das Schwätzen?
Klar. Weib bleibt Weib.
Und ihr Leib?
Ich mag ihn. Weiblich eben. Glatt von Natur her. Wohl Geformt.
Haar und Schminke sind genormt?
Nein. Dafür Enorm speziell.
Und die Kleider? Leuchtend grell?
Eher Matt und bunt.
Auch das mögen Sie ja?
Na klar Und sie mag es auch.
Wenn sie mir gestatten, ich frag nur sehr ungern.
Der Kuss ist er schon alltäglicher Gebrauch?
Ach das beantworte ich Ihnen. Also zuhörn.
Kennen Sie das Gefühl, wie’s ist zu berühren?
Ich spreche von sanften Lippen spüren.
Nun ja. Ein mir bekannter Akt.
Sehr gut. Dasselbe. Nur nackt.
Sie meinen. Splitterfaser.?!
Splittriger ging’s nicht.
Mir fehlen glatt die Worte. Sie verstehen, dass keine Münder so offen je etwas sagten?
Ich versteh, dass Sie’s nie wagten.
Bei anderen bleibt’s mir eine Rätselei.
Und wenn sie einfach fragten?
Einerlei.
Sie müssen den Impuls nun einmal geben.
Anders lässt es sich mit ihres gleichen nicht länger leben.
Gesellschaftskritik. Oh ich versteh’
Nein sie verstehen nichts.
Natürlich. Weil ich jetzt viel klarer seh’
Tatsächlich?
Beweisen Sie’s.
Nun denn. Ich bin ein sehr schweigsamer Mensch
Und ich denke sie kenn’ diese Sort’ von Mensch?
Zur Genüge.
Das war wohl die nächste Rüge. Also hören sie.
Und schwören sie, dass Sie es mir glauben.
Na Fein. So soll es sein. Beeilung. Schauen Sie welcher Zeit Sie und sonst berauben.
Also: Sie sagen sie vermissen, Lippen sanft wie Kissen. Sie meinen sie wüssten Unterschiede nicht zu schätzen und doch weiß ich, dass sie nett sind. Ich schweig, wenn sie reden. Ich nehme auf und wahr. Dann kann ich miterleben das Gesagte ganz und gar. Ich denk dann an das Ende von Welt und Ozean und eh Sie sich versehen, hätten’s besser dran getan, für Kopf und Kragen, mich lieber nicht zu fragen.
Tags: Liebe
Kategorisiert in Gedichte
Der Geist
23.Juni 2009
Veröffentlicht am 28.06.2010
In mir wohnt ein Geist.
Bei Nacht, wenn es am dunkelsten ist, dann
Am Tage, wenn es am hellsten ist, dann
Zu jener Stunde, welche am schönsten ist, dann
schaut er mich an.
Nur mich.
Er dreht sich in mir.
Er rollt mit den Augen, um alles in mir zu sehen.
Ich fühl' ihn nicht, ich spür ihn bloß.
Ich zucke.
Er hat sich bewegt.
Ich zucke intuitiv, denn ich fühl ihn ja nicht.
Jetzt. Spricht er zu mir? Meint er mich? Klar meint er mich. Niemand sonst ist hier, den er kennt, mit dem er sprechen könnt'.
Ich zögere.
Dieser Geist, der in mir wohnt, der stellt mir eine Frage:
„Was reizt dich am meisten mein Wirt? Woraus besteht die Welt mein Wirt? Was erwartest du von Dir und den Menschen mein Wirt?“
Ich überlege, schaue drein so nachdenklich, so bin ich. Was soll ich ihm antworten?
Mich reizt, was ich mehr spür als seh. Oder so sehr seh, dass ichs spüren vergess'.
Die Welt besteht nicht. Sie ist nicht beständig. Auf ihr existiert. Auf ihr wird entwickelt.
Ich kann nur das von den Menschen erwarten, was ich von mir erwarte. Doch da der Mensch gierig ist, wird er immer mehr von anderern erwarten als von sich.
„Nun und was macht dich glücklich mein Wirt?“
Dass das Leben nicht ist, sondern wird.

Kategorisiert in Gedachtes
Haben
07.September 2009
Veröffentlicht am 28.06.2010
Manchmal, wenn am wenigsten ist, denkt man man hat so viel, als hätt man mehr.
Tags: Hoffnung
Kategorisiert in Zitate
Copyright © der-verbalist.de und Max Golenz